guymon

Apr 23

Die Entwicklung der Sozialausgaben des Staates wird meist in einer Zeitreihe mit absoluten Zahlen angegeben, oft noch mit einer Grafik, bei der die y-Achse nicht bei 0 beginnt. Das sieht dann nach einem dramatischen Anstieg aus. Man verschweigt dabei, dass zum Beispiel die Urlaubsausgaben der Deutschen in der gleichen Zeit ähnlich stark gestiegen sind, und dass der Anteil der Sozialausgaben am Bruttoinlandsprodukt schon seit vielen Jahren stagniert.

Ganz ähnlich sieht es bei der so genannten Kostenexplosion im Gesundheitswesen aus: Auch der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandsprodukt ist in den letzten Jahren nur sehr geringfügig gestiegen und zuletzt sogar wieder etwas gesunken. In Wirklichkeit hat es also überhaupt keine Kostenexplosion gegeben. Solche Darstellungen sollen begründen, weshalb Sozialleistungen abgebaut oder Teile der Gesundheitsausgaben auf die Kranken abgewälzt werden. Äußerst fragwürdige Bevölkerungs- und Rentenprognosen dienen dazu, die gesetzliche Rentenversicherung zu delegitimieren und Propaganda für private Rentenversicherungen zu machen.

Interview mitGerhard Bosbach (der jahrelang im Statistischen Bundesamt tätig war) und Jens Jürgen Korff